AWO-Parlamentariergruppe

Seit der 17. Legislatur leite ich die AWO-Parlamentariergruppe der SPD-Bundestagsfraktion. Zusammen mit dem AWO-Bundesverband diskutieren wir in regelmäßigen Abständen die aktuellen politischen Themen von Rente über Stärkung des Ehrenamtes, Fachkräftemangel bis demographischer Wandel. Außerdem haben wir die Themenreihe „Wert sozialer Arbeit“ ins Leben gerufen. Zusammen mit dem AWO-Bundesverband, Mitgliedern und auch Mitarbeitern der SPD-Bundestagsfraktion und wissenschaftlicher Expertise erörtern wir die Probleme, aber auch Chancen für den sozialen Arbeitssektor. Gemeinsam behandeln wir Fragen des demographischen Wandels, der sowohl die zunehmende Überalterung einiger Regionen, aber auch einen daraus resultierenden Fachkräftemangel in den sozialen Berufen betrifft. Weitere Fragestellungen sind: Wie kann dem Fachkräftemangel begegnet werden? Welche Chancen bieten Arbeitskräfte innerhalb der europäischen Union? Welche notwendigen Voraussetzungen müssen dafür erfüllt sein, um eine qualitativ hochwertige Pflege sicherzustellen?

Ebenso wirft die Zersplitterung des sozialen Sektors Fragen auf, die für eine gute Entwicklung der Wohlfahrtspflege geklärt werden müssen. Mit drei unterschiedlichen Arbeitsrechtsnormen und 1500 Tarifabschlüssen, wovon viele unter Notlagen erreicht worden sind, ist es sicherlich notwendig, einen branchenweit verbindlichen Tarifvertrag zu entwickeln. Nur so kann der Unterbietungswettbewerb zwischen den einzelnen Diensten beendet und prekäre Beschäftigungsverhältnisse vermieden werden. Der Wettbewerb zwischen den Anbietern sollte in der Qualität, nicht am Preis stattfinden. Ansonsten droht uns ein flächendeckender Mangel an Pflegern und Erziehern. Bereits 2013 blieb jede zwanzigste Stelle dauerhaft unbesetzt. Wir brauchen mehr Qualifikation für arbeitslose Sozialarbeiter_innen, eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie und kürzere Ausbildungszeiten, ohne, dass dabei an der Qualität gespart wird. Betriebe sollten dazu angehalten werden, ihre zukünftigen Beschäftigten selber auszubilden. Ähnliche Berufe sollten untereinander durchlässiger gemacht werden. Das alles sind Maßnahmen, die getroffen werden können, um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken.

Die Arbeitsbedingungen in der Pflege und anderen sozialen Diensten sind in der Entlohnung, aber auch bei der Anerkennung in der Gesellschaft nicht ausreichend und machen die Berufsbranche für die heranwachsende Generation nur wenig attraktiv. Das muss sich ändern, denn die Beschäftigten leisten einen unverzichtbaren Dienst an unserer Gesellschaft. Der Versuch, die soziale Arbeit in ein ökonomisches Werteraster zu pressen, wird immer am menschlichen und sozialen Faktor scheitern. Gespräche, Zuhören oder Hilfestellung bei kleinen Dingen im alltäglichen Ablauf sind mit keiner Zeiterfassung oder rein ökonomisch aufrechenbar, dennoch sind diese zwischenmenschlichen Gesten oft der Mehrwert dieser Berufe.

Vielerorts wäre das Funktionieren der sozialen Infrastruktur in Deutschland ohne Ehrenamt und das persönliche Engagement Einzelner überhaupt nicht denkbar. Das Ehrenamt verdient daher genauso höchstmögliche Anerkennung. Auch die Arbeit von ehrenamtlich Beschäftigten braucht die Gewissheit von Finanzierung und die Koordinierung zwischen den Engagierten, den öffentlichen Institutionen und den gemeinnützigen Organisationen. Ehrenamtliches Engagement bereichert nicht nur jene, denen es gilt, sondern auch die, die es ausüben. Neben dem Gefühl, etwas Gutes getan zu haben oder (wieder) gebraucht zu werden, gewinnen sie auch wertvolle Qualifikationen. Gleichzeitig ist es wichtig, die Engagierten davor zu schützen, dass die gesamte Verantwortung auf sie abgewälzt wird. Sie sind kein Ersatz, sondern eine Ergänzung für hauptamtlich Arbeitende.

Die Ergebnisse der Diskussionsrunden sind in unserem jährlich aktualisiertem Reader „Wert sozialer Arbeit“ nachlesbar: Reader_WERT_AWO_160210 final

Wir werden die Diskussionen in diesem Jahr fortführen. In den Blick der diesjährigen Sitzungen der AWO-Parlamentariergruppe gerückt ist die Integration von Geflüchteten, aber auch die Rente für Arbeiter_innen im sozialen Sektor sowie die Veränderungen, die mit der sich beschleunigenden Digitalisierung auf den sozialen Sektor zukommen.

Unser Land befindet sich in vielerlei Hinsicht im steten Wandel. Dies trifft auch für die soziale Arbeit am und mit den Menschen zu. Ihr Wert und ihre Anerkennung müssen gestärkt und zukunftsfest gestaltet werden. Das verdienen sich Beschäftigte und Betroffene jeden Tag.

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